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Roland Falk, Redaktor der Sonntagszeitung, ueber die Schlankheitspille Xenical und deren Folgen
Ich stehe zu meinen falstaffschen Ausmassen. Nicht zuletzt, weil sie bahnbrechend wirken, wenn ich mich - das ist jetzt unkulinarisch gemeint - durch irgendwelche Volksaufläufe quälen muss. Oder weil sie bei hämisch Scheinbesorgten für dauernden Gesprächsstoff sorgen und so eine durchaus soziale Komponente haben. Weshalb, um Lukulls und Buddhas Willen, soll ich dereinst also zu einer Roche-Pille mit dem unsympathischen, an Xenophobie erinnernden Namen Xenical greifen, wenn ich meinen 111 Kilos, relativ harmonisch verteilt auf 1,85 Meter, zu Leibe rücken will ?
Was ich nicht selber schaffe, denke ich, ist mir im tiefsten Innern vielleicht auch zu unwichtig. Und ich mag nicht künstlich schrumpfen, bloss damit ein Chemieriese noch fetter wird. Zudem ist nicht einzusehen, wieso ich mich einem physischen Mittelmass verpflichten soll, wenn ich sonst doch überall obenaus zu schwingen versuche.
Ach, jetzt kommen Sie mir mit Ästhetik ? Die kann ich für mich selber definieren, die überlasse ich nicht dem durchschnittlichen Geschmack von Zeitgeistprägern. Und dem Uraltklischee, dass Leute mit der Figur einer aufgestellten Packschnur dynamischer und erfolgreicher sein sollen als Beleibte, setze ich nur ein gelangweiltes Lächeln entgegen. Ausserdem kann ich es jederzeit widerlegen: Der ehemalige Uno-Generalsekretaer Kurt Waldheim gehörte zum Ausgemergelsten, was bisher die Weltbühne betreten hat, scheiterte aber kläglich. Fett dagegen, siehe Kohl, kann nicht untergehen.
Wer jetzt etwas von Gesundheit murmelt, gerät bei mir ebenfalls an den Falschen. Mein Flugarzt, der mich Hobbypiloten regelmässig zu zwanzig extremen Kniebeugen nötigt, hält mich für fit wie irgendwas, und die relevanten Werte liegen alle im grünen Bereich. Ausserdem weiss auch er, dass es in der Luftfahrt für jedes Gewicht einen genügend starken Motor gibt.
Ich werde auf Xenical pfeifen und mich weiterhin dem in unsensiblen Zeiten wohl schönsten Vorwurf aussetzen, ich sei ein hemmungsloser Geniesser. Mit dem Pillchen würde die Smalltalk-Einstiegsfrage "Hast Du abgenommen oder eine neue Brille ?" doch endgültig zu einer rhetorischen Angelegenheit. Und zudem halte ich seine Entwicklungskosten von 700 Millionen Franken angesichts drängender menschlicher Probleme für perverser als jede noch so augenfällige Wampe.
