Rudolfs Kolumne

Von Zeit zu Zeit wird Rudolf Stumpf hier seine Gedanken zu unseren Themen kund tun. Wir freuen uns ausserordentlich Ihn als "Kolumnisten" zu unserem Team zählen zu dürfen.

Rudolf Stumpf, nach einem Studium der Theologie und der Pädagogik, promovierte an der Sorbonne/Paris in Soziologie und Philosophie. Er lebt jetzt in Aesch im Kanton Baselland/Schweiz. Rudolf Stumpfs Email: parino@bluewin.ch

Rudolphs Archiv


 

1. Wörter und Wort-Bilder als Richter, Henker und Mittler

Der Missbrauch der Sprache
Als FAs schauen wir uns einmal die Rolle der Alltagssprache in der Gegenwart an. Die Sprache mit ihren Zeichen und Wörtern dient nicht nur zur Verständigung, sondern wird auch als Mittel der Hetze und der Verunglimpfung eingesetzt.
Dazu kommt von seiten der FAs ein weiteres Problem, das der vorliegende Artikel beleuchten will: das ist der Sprachmangel. Damit ist der Verzicht gemeint, auf sprachliche Mittel zurückzugreifen, um zu protestieren oder Stellung zu beziehen. Daher scheint mir die Frage berechtigt: Ist Schweigen wirklich Gold?
Die Sprache dient allgemein der Verständigung, sie kann aber auch ausgrenzen. Bei einer Verständigung ist man "drinnen", bei Kommunikationsschwierigkeiten findet man sich "draußen"!
Abgrenzung wird z.B. dann praktiziert wenn man Unbeliebte mit Tiernamen betitelt, oder wenn man für ihre Bezeichnung Metapher verwendet.
Im "tausendjährigen Reich" wurden ganz bewußt die Sprache und ihre Bilder gebraucht um auszugrenzen. Die damalige Ausgrenzung erfolgte nach dem Prinzip: Politische Wirksamkeit statt Sachlichkeit!

Beispiele des Missbrauchs
Jede Ausgrenzung braucht ein Feindbild. Dieses mußte aufgebaut, oder, wie im Falle der Juden, vertieft werden. Um dies zu erreichen bedienten sich die Nationalsozialisten einer aggressiven Sprache, die jeder rationaler Grundlage entbehrte.
Beim 14.Nobel-Symposium in Stockholm (Sept.1969) meint Arthur Kostler dazu:

"Der Mensch ist ein Tier, das Symbole macht. Das stolzeste und gefährlichste Produkt der Symbolmacherei ist die Sprache!"

Ein anderes Beispiel ist das koloniale Gebahren im 20.Jahrhundert. Die Briten in Indien bezeichneten die Hindus als nicht "wehrtüchtig" (oder "tapfer"), darum seien sie disqualifiziert sich selbst zu regieren. Oder die französische Kolonialpolitik ging davon aus, daß France, la Grande Nation, den armen Schwarzen, eine Kultur (natürlich die ihre) bringen mußte, um sie überhaupt lebensfähig zu machen.

Jeder Leser könnte sicherlich viele andere Beispiele bringen, die die Macht der Sprache aufzeigen würden.

Sprachmangel unter FAs?
Als FAs sehen wir die rundlichen Formen als etwas Schönes und Ausdruckvolles an (so wie H.Heine in seinem Gedicht...). wir erfreuen uns an solchen Formen und Menschen.
Jedoch wenn es zu Beschreibungen kommt, offenbaren wir unsere begrenzte Phantasie (oder ist es nur Faulheit?) und unser Ausdrucksmangel. Einige werden argumentieren, daß wir im "Kampf" für Gleichberechtigung die Worte wie "dick" und "fett" einfach neu füllen müssen, so daß sie im Ende positiv klingen.
Das mag eines Tages geschehen, aber dies ist nicht die unmittelbare Absicht dieses Artikels. Vielmehr möchten wir Euch aufrufen neue Bilder oder Metaphers zu kreieren. Wir behaupten einfach, daß ein FA ohne Phantasie kein richtiger FA ist. Darum der Aufruf: Verwendet einmal originelle Formulierungen!

Gelungene Formulierungen
Hier einige Beispiele:
Emile Zola, derselbe der auch als erster sich für Dreyfuss einsetzte mit seinem Artikel "J'accuse", in all seinen Büchern formuliert die Rundlichkeit immer in Bildern. In seinem Buch "La faute de l'Abbé Moret" beschreibt er die Arme der Angebeten "....des bras royaux charnus..." (königlich-fleischige Arme)
Einmal im Schwimmbad, überhörte ich wie jemand sagte: " Was für ein knuspriges Bäuchlein!" Bei mir kam das Bild eines knusprigen Pouletschenkel auf, rund und prall, dessen Haut zum Bersten nahe ist.
Auf einer amerikanischen FA-Homepage fand ich folgende Beschreibung einer Feederin "The buttons on his shirts have been straining nicely. I was very excited to see he had gone from a loose 36 waist to hearty 38 since we begun dating a few months ago."
Eine andere Seite eines Feeders: "The way her belly begins to dip down due to the wonderful combination of gain and gravity; her chin doubling when she flashes me a wide smile..."
Neben Formulierungen beleben auch Bilder eine Situation. Ein eindrucksvolles Bild fand ich auf einer deutschen Homepage: Die Nußprobe: In den Nabel legte man eine, dann zwei Nüsse, dann drei und so fort... um das Anwachsen des Bäuchleins zu messen. Dazu brauchte es dann kaum noch Adjektive, das Bild sprach für sich selbst.
Nach dieser Auswahl an Beispielen von Formulierungen und Bilder folgt nun die Überleitung zum zweiten Teil..

2. Preisauschreiben

Wir möchten Euch einladen Eure Phantasie in einem Preisausschreiben auszuloten.

Bedingungen:
a) ein Text nicht länger als ca. 120 Worte (das ist ein recht langer Absatz!), der entweder ein FA-Phänomen

  • in einer neuen Art beschreibt,
  • oder eine treffende Formulierung ziseliert, ausfeilt
  • oder ein Metapher-Bild erfindet, das dem FA-Ideal zusagt.

b) es sollte ein Eigenerzeugnis und noch nicht publiziert sein (Akzeptiert werden auch ausländische Beschreibungen, die treffend ins Deutsche übersetzt werden, also auch lateinische und französische Ausdrücke wie "bene pastus" oder "embonpoint").

c) Ruth und Dominique werden jede Einsendung überprüfen und die geeigneten auf "www.rundnaund.ch" veröffentlichen.. Jede Veröffentlichung erhält als Preis das neue Buch "Fettpölsterchen" MisBuech-Verlag, Sissach/Schweiz ISBN 3-9522350-8.....
Vorerst (wegen der hohen Portogebühren) ist dieses Preisausschreiben begrenzt auf Postadressen in Frankreich, Deutschland und der Schweiz.. (d.h. der Buchpreis-Versand wird nur an die Gewinner aus den oben genannten drei Länder weitergeleitet; Einsendungen aus anderen Länder sind von der Teilnahme jedoch nicht ausgeschlossen!!)
Darum beim Einsenden Eurer Texte, bitte nicht die Adresse vergessen.
Sendet Euren Text (und Eure Adresse) an die E-Mail Adresse: info@rundnaund.ch

Einsendeschluß: 31.August 2002

Teilnahmebedingungen

Teilnahmeberechtigt sind alle in der Schweiz, Deutschland und Frankreich wohnhaften Personen ausser den Mitarbeitern von rundnaund.ch und den an am Wettbewerb beteiligten Unternehmen/Personen. Alternativ können Sie auch einen Text per Post an folgende Adresse senden:

rundnaund.ch
Dominique Adler, Ruth Wunderlin
Kennwort: Rudolphs Wettbewerb
Untere Egg 794
CH-5728 Gontenschwil

Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. Die Gewinner werden schriftlich oder per per E-Mail benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Mit der Teilnahme nehme ich zur Kenntnis, dass mir rundnaund.ch eingesandte Manuskripte, Texte und Geschichten nicht zurücksenden kann, dass rundnaund.ch das Recht hat meine Texte in elektronischer und gedrukter Form zu veröffentlichen. Meine Daten werden jedoch keinesfalls an Dritte weitergegeben.

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