|
Selbstsichere
junge Frauen stehen zu ihren weiblichen Formen: Diät ade, wir sind
schön, so wie wir sind
Diät?
"Nein, danke!"
Rund und rundum glücklich:
Miss Molly Livia Hofmeier. "Meine Rundungen sind ein Teil von mir"
Bild Franco Greco
Unbekümmert und
selbstbewusst tragen junge Frauen bauchfreie Tops und körperbetonte
Kleider. Und zwar auch wenn sie nicht klapperdürr wie Models sind,
sondern aussehen wie viele ganz normale Teenager: ein bisschen rundlich
um Bauch, Beine und Po.
Obwohl der Druck von Mode und Werbung auf junge Frauen gross ist und selbst
leicht pummelige Teens in den Medien als "Frauen mit Figurproblemen"
bezeichnet werden, tut sich offenbar etwas. "In den letzten Jahren
ist eine Gegenbewegung auszumachen. Junge Frauen stehen selbstbewusst
zu ihrer Figur und tragen Kleider, die ihnen gefallen", beobachtet
die Psychotherapeutin Anja Notter. Sie führt dies darauf zurück,
dass Frauen heute generell eigenständiger und selbstbewusster aufwachsen
und erzogen werden. "Sie bekommen mit, dass Ausstrahlung und Persönlichkeit
wichtiger sind als die Figur."
Eine Vertreterin dieser jungen, selbstsicheren Frauengeneration ist die
Subzonic-Sängerin Myrto Joannidis. Selbstbewusst trägt auch
sie gelegentlich kurze Tops, die den Blick auf ihre fraulichen Rundungen
freilassen. Das scheint sie nicht zu kümmern. Und auch im Publikum
sind weder hämische Blicke noch Bemerkungen auszumachen. Was zählt,
sind Stimme und Ausstrahlung.
Eine Vertreterin der älteren Generation, die nicht ganz so locker
mit ihren Pfunden umgehen kann, ist die Sängerin Dodo Hug. "Auf
der Bühne ist mein Gewicht zwar kein Thema. Aber im Alltag spüre
ich oft blöde, hämische Blicke", beobachtet sie - und das
tue ihr manchmal weh.
Leider gelte immer noch: Wer dick ist, hat sich nicht im Griff. Darüber
ärgert sich die 51-jährige Sängerin, die seit etwa ihrem
dreissigsten Lebensjahr auf der runden Seite lebt. "Natürlich
wäre ich manchmal auch gerne dünn, aber eigentlich mag ich meinen
Körper. Es hat immerhin den Vorteil, dass ich dank der Fülle
kaum Falten habe."
Den Druck von aussen empfindet Dodo Hug nach wie vor als gross. "Männer
müssen Waschbrettbäuche haben, und die Frauen weiss Gott was.
Es wäre doch langsam an der Zeit, sich wieder auf andere Werte zu
besinnen." SAN
Diät? "Nein, danke!"
Die frisch gewählte Miss Molly Livia Hofmeier über Ernährung
und ihr Körperbild.
Mit einer Miss Molly können sich viele identifizieren. Nicht unbedingt,
weil sie auch mollig sind, sondern weil es ihnen klar ist, dass die allerwenigsten
Frauen dem weit verbreiteten Bild der perfekten Frau entsprechen",
sagt Livia Hofmeier.
Die von der "Glückspost" erkorene Miss Molly aus dem aargauischen
Hirschthal möchte vermitteln, "dass man nicht superschlank sein
muss, um ein tolles Leben zu haben". Sagts und strahlt frisch verliebt
in die Runde.
Über ein paar Kilo zu viel müsse man sich doch nicht aufregen,
findet sie: "Es gibt nun einmal Menschen, die dazu neigen, etwas
mollig zu sein, und andere nicht."
Die 19-jährige kaufmännische Angestellte sprüht vor Lebensfreude.
Sie bewegt sich gern, spielt Tennis, geht joggen und tanzen. Ihre Figur
ist für sie eigentlich kaum ein Thema. "Ich fühle mich
wohl in meiner Haut. Meine Rundungen sind doch ein Teil von mir",
sagt sie.
Im Zusammenhang mit ihrer Figur hat sie kaum einmal etwas Negatives erlebt,
auch nicht während der Schulzeit. Höchstens ein paar halbwüchsige
Knaben haben gelegentlich blöde Sprüche fallen lassen. "Das
geht an mir vorbei, das kann ich gar nicht ernst nehmen", sagt sie
selbstbewusst.
Natürlich hat auch Livia Hofmeier schon Diäten ausprobiert -
und die Erfahrung gemacht, "dass ich nachher dicker wurde".
Heute schaltet sie eher mal einen Früchtetag ein, wenn sie sich nicht
mehr wohl fühlt. Aber eine Diät? "Nein danke!", lacht
sie.
|