|
|
Kirstie
Alley - Der Comedystar wiegt mehr, als in Hollywood erlaubt ist.
Doch sie trägt Ihre Pfunde mit Fassung.
Ein romantisches Cottage im US-Bundesstaat Maine. Draussen im Garten steht ein gemustertes Kuschelsofa im Landhausstil. Darauf liegt sie: Kirstie Alley, 53, die beliebte Schauspielerin. Sie wiegt 92 Kilo und sieht dennoch einfach hinreissend aus. Aber jedes Detail ist perfekt arrangiert: Sie trägt eine leuchtend grüne Seidentunika, eine ihrer Figur schmeichelnde Plisseehose und hat eine Kuscheldecke über die Hüften drapiert. Eine begehrenswerte Frau - und trotzdem Lichtjahre entfernt von der Kirstie, die sie in den 80er- und 90er-Jahren war. Als sie mit ihren Modelmaßen Filme wie "Kuck mal, wer da spricht" (mit John Travolta, 50) drehte oder als Comedysirene mit verheißungsvollem Schlafzimmerblick in Serien wie "Cheers" oder "Veronica's Closet" vielen Männern schlaflose Nächte bereitete.
Nein, die neue, dicke Kirstie hat mit der Sexbombe von einst äusserlich nichts mehr zu tun. Innerlich ist sie jedoch ganz das Original: frech, humorvoll und gnadenlos ehrlich zu sich selbst. Wenn sie z. B. sagt: "Ich bin einfach faul", dann fügt sie hinzu: "Aber wissen Sie was? Ich bin lieber fett als einer dieser zickigen Hungerfiakern aus Beverly Hills." Eine Anspielung auf ihre Hollywood-Kolleginnen, die sich dünner und dünner hungern, um weiter beschäftigt zu werden im knallharten Showbusiness. Kirstie Alley fällt so aber durch das Raster der Besetzungsagenten: Sie hat nicht viel gedreht in den letzten Jahren. Seit der Scheidung von Ehemann Parker Stevenson, 52, teilt sie sich reit ihm das Sorgerecht für die Kinder Lillie, 10, und William True, 11. Sie sagt dazu: "Vor einigen Jahren habe ich eine Entscheidung getroffen: Ich möchte die beste Mutter der Welt sein." Und glaubt man ihren Freunden, dann ist sie nah dran. "Sie ist wundervoll", schwärmt ihre Freundin Kathy Najimy, ebenfalls Schauspielerin. Sie gibt alles für Lillie rund William True. "Vielleicht hat sie sich selbst dabei aber ein wenig vergessen, nicht genug auf ihr Äusseres geachtet. Denn Kirstie nahm kontinuierlich zu. Doch sie sieht das locker. "Ich fühle mich wohl. Es ist jedoch komisch: Ich kann zwar nicht behaupten, dass ich meine Figur mag, aber ich mag mich." Den Reportern tischt sie während des Interviews Kuchen und andere Leckereien auf. "Das ist das Schöne daran, wenn man fette Menschen besucht", scherzt sie. "Es gibt immer genug von allem.
Im Kollegenkreis gilt Kirstie Alley als emanzipiertes Vollweib: witzig, zynisch, manchmal auch ein wenig derb. Sie kann sich amüsieren über ihren Speck - und sie kann sich herrlich ärgern über die Reaktionen. ."Oh", sagt sie und benutzt da gern auch mal das ein oder andere böse Wort, "ich hin es so leid, ständig über mein Gewicht definiert zu werden. "Gemeine Fotos in den Zeitungen, gemeine Kommentare - und alle tun so, als sei es eine Tragödie. Meiner Meinung nach ist es das nicht. Aids, Magersucht oder Kinder, die misshandelt werden - das sind wahre Tragödien. "Nein, ihr sei nichts Schlimmes widerfahren, im Gegenteil: "Ich bin glücklich, und wenn ich glücklich bin, dann nehme ich zu. Für mich ist es so, als hätte ich schon jahrelang Ferien. Andere Leute nehmen im Urlaub zu, kommen nach Hause und jammern: ,O weh, ich habe drei Kilo mehr! Nun, ich habe eben nun schon seit Jahren Urlaub. "Sie weiss, wo die Kilos herkommen: "Ich esse einfach gern. Stellen Sie mir zehn Törtchen vor die Nase und ich futtere sie alle weg. Ich trinke auch gern süßes Zeug und habe seit drei Jahren keinen Sport mehr gemacht. Ich bin auch nicht krank. Es gibt kein Gen in meinem Körper, das mir befiehlt noch ein Stück Kuchen zu essen.
Als sie mit der Schauspielerei begann, war sie gertenschlank. Anfangs hatte ich kein Geld. Und das, was ich verdiente, gab ich nicht fürs Essen aus, sondern kaufte lieber ein paar neue Schuhe oder einen neuen Bikini. Sie biss sich durch, denn sie hatte schon immer einen ausgeprägten Willen: "Als kleines Mädchen habe ich mal zu meinem Vater gesagt: ,Daddy, wenn ich groß bin, werde ich vier Autos fahren, all diese tollen Hollywood-Filme drehen, ich werde ein riesiges Haus besitzen und nur noch Kuchen essen. "Die Torten kamen später. In der Zwischenzeit lebte und erlebte Kirstie Alley turbulente Jahre. Mit allem Drum und Dran. Auch mit Exzessen, Kokain. Aber Kirstie bekam die Drogen in den Griff: "Ich hatte gemerkt, wie ich mich durch die Drogen mehr und mehr verlor, wie ich spirituell abstarb. Also liess ich es bleiben." Da war sie 28 Jahre alt. Wieder hatte sie ein Ziel erreicht, mit eigener Kraft und eigenem Kopf. 1982 kam der Karrieredurchbruch: "Star Trek 11". Kirstie hatte sich zwischenzeitlich den Scientologen angeschlossen. Sie drehte Film auf Film. Und mit den Honoraren begann ihr Gewicht zu schwanken. Sie nahm zu, sie nahm ab: Jo-Jo-Effekt. Aber es hatte sie nie wirklich interessiert. Bloss geärgert, wenn dumme Kommentare kamen. "Ein Ex-Freund sagte mal zu mir: , Wow, du bist aber ein kräftiges Mädchen! Dabei bin ich 1,75 Meter groß und wog damals 51 Kilo, ich war so spindeldürr wie Calista Flockhart." Der Freund blieb nicht lange ihr Freund, Kirstie Alley vergass ihn schnell.
Sie drehte Cheers" und bekam Komplimente. Aber: "Ich habe mich zu dem Zeitpunkt nie selbst als sexy empfunden. Ich dachte immer nur: Michelle Pfeiffer ist schöner." 1984 heiratete sie ihren Schauspielerkollegen Parker Stevenson, das Paar adoptierte die beiden Kinder. Doch die Ehe hielt nicht: Scheidung 1996. Kirstie lernte einen neuen Mann kennen (Schauspieler James Wilder), trennte sich erneut. Seit zweieinhalb Jahren lebt sie allein. "Irgendwann stellte ich fest, dass ich eigentlich immer jemanden um mich hatte, seit ich 15 Jahre alt war. Ich hatte immer Ausschau gehalten nach Männern, die gut aussehen und gut im Bett sind. Heute sehe ich das etwas differenzierter. Es gehört mehr dazu. Wen sucht sie? Sie lacht: "Einen Witwer um die 55, Milliardär mit sechs Kindern und einem riesengroßen Grundstück in Italien." Bis sie den gefunden hat, plant Kirstie Alley erst mal Neues: ein bisschen weniger Gewicht, aber bloss keine Crash-Diät! "Natürlich will ich irgendwann abnehmen. Aber dann, wann es mir passt, und so wie es mir passt. Es wird eine Herausforderung und ich nehme sie gern an." Bis dahin macht sie einfach das Beste aus ihren Pfunden: Gerade wird in Amerika eine neue Comedyreihe produziert. Titel: "Die fette Schauspielerin". Kirstie spielt Kirstie - und nimmt ganz selbstironisch ihr pfundiges Leben und den Beautywahn von Hollywood aufs Korn. "Das Schöne dabei ist: Bei der Serie ist es piepegal, ob ich nun 92 oder noch mehr Kilos auf den Rippen habe." Während sie das sagt, sitzt sie barfuss am Küchentisch ihres Hauses und raucht. Das Cottage ist ihr kleines Paradies. Die Kinder haben den Garten zum Toben und es gibt jede Menge Haustiere. Kirstie und die Kids plantschen im Pool, hüpfen auf dem Trampolin, machen gemeinsame Ausflüge und gehen besonders gern auf einem Friedhof spazieren: "Das ist schön gruselig. " Zwischendurch marschiert der Hollywood-Star regelmässig zu Bingo-Veranstaltungen wie Millionen andere Hausfrauen auch. In Maine muss man sich da nicht aufbrezeln - und dann kann es eben passieren, dass sie wieder ein Foto von sich in der Zeitung findet: Kirstie Alley, ungeschminkt und im Schlabberlook. Doch wegen ihres TV-Projekts kann sie zurzeit sogar diesen Bildern etwas Positives abgewinnen: "Eine bessere Werbung für meine neue Show kann ich doch gar nicht kriegen."
Da hat sie ganz dick Recht.